Toni Traschitzker

Fernseh-Ärger

 

"Alle haben einen Fernseher, nur ich hab’ noch keinen!", dachte Herr Büchermann. Er beschloss also, sich einen Fernseher zu kaufen – einen schönen, großen Apparat mit einem schönen, großen Bildschirm. Der Elektrohändler – er hieß Blitz – freute sich, denn der schöne, große Apparat kostete einen Haufen Geld. Aber schon nach ein paar Tagen brachte Herr Büchermann den Fernseher zurück und sagte aufgeregt: "Das Ding ist viel zu schwer! Mein altes Bett ist zusammengebrochen!"

"Was? Ihr Bett?" Der Elektrohändler schaute verdutzt drein. "Ja sind Sie etwa mit dem Fernseher ins Bett gegangen?"

"Freilich!", rief Herr Büchermann. "Ich habe ein bisschen im Bett fernsehen wollen – so wie ich früher im Bett gern die Zeitung gelesen habe."

"Das geht mit dem Fernseher natürlich nicht", erwiderte Herr Blitz.

Herr Büchermann seufzte enttäuscht und schleppte seinen Apparat nach Hause zurück. Drei Tage später kam er damit wieder zum Elektrohändler Blitz und berichtete erregt: "Der Fernseher ist ein umständliches Ding! Wenn ich gemütlich draußen im Garten fernsehen möchte, brauche ich jedes Mal ein dreißig Meter langes Stromkabel! Und jedes Mal stolpere ich über diese verflixte Gummischnur!"

"Ihr Fernseher ist nicht für den Garten geeignet", entgegnete Herr Blitz. "Aber wenn Sie wollen, tausche ich ihn gegen ein Gerät mit Batterie ein. Dann brauchen Sie kein Stromkabel."

Herr Büchermann war einverstanden und tauschte den großen Fernseher gegen einen kleineren mit Batterie aus.

"Das ist ein lästiger Kunde", dachte der Elektrohändler Blitz, als Herr Büchermann am nächsten Tag schon wieder kam und sich beschwerte: "Das Bild dieses Batterie-Fernsehers ist so klein, und wenn die Sonne draufscheint, sehe ich fast nichts."

"Stellen Sie das Gerät in den Schatten!", schlug Herr Blitz vor. "Sie haben in Ihrem Garten bestimmt einen Baum, oder?"

"Ja, einen Apfelbaum – gleich beim Nachbarszaun", antwortete Herr Büchermann.

"Na wunderbar!" Herr Blitz nickte freundlich. "Dann setzen Sie sich beim Fernsehen unter diesen Apfelbaum."

Herr Büchermann tat es. Einen Tag später kam er abermals zum Elektrohändler gerannt und rief: "Unter dem Baum beim Zaun kann ich nicht fernsehen! Mein Nachbar hat sich beschwert! Er sagt, mein Fernseher sei zu laut."

Herr Blitz stöhnte auf und bot seinem Kunden einen Kopfhörer an.

"Was? So ein grausliches Ding soll ich mir über die Ohren klemmen? Ich bin doch kein Flugzeugpilot!", sträubte sich Herr Büchermann. "Aber ich weiß, was ich mache: Ich nehme den Fernseher in das Baumhaus mit. Es ist so hoch oben auf dem Apfelbaum, dass der Nachbar den Fernseher bestimmt nicht mehr hört."

"Ja, tun sie das!", seufzte der Elektrohändler.

Am nächsten Tag kam Herr Büchermann schon wieder angerannt. Der Fernseher war ihm vom Baumhaus hinuntergefallen und zerbrochen.

"Pech gehabt", meinte Herr Blitz. "Sie müssen ein neues Gerät kaufen."

"Na schön", brummte Herr Büchermann. "Geben Sie mir also noch so eines von den Dingern mit Batterie. Aber in meinem Garten oder gar im Baumhaus kann ich wohl nie fernsehen."

Am nächsten Montag wäre der Elektrohändler Blitz vor Schreck fast in Ohnmacht gefallen, als sein Dauerkunde ins Geschäft hereinstürmte. Herr Büchermann war übers Wochenende beim See gewesen, hatte sich mit der Luftmatratze über die Wellen schaukeln lassen und dabei fernsehen wollen. Da war ihm das Gerät – patsch! – ins Wasser geplumpst.

"Das viele Fernseher-Kaufen wird mir zu kostspielig!", schimpfte Herr Büchermann. "Können Sie mir ein Gerät leihen?"

"Nein!", stöhnte der Elektrohändler. "Ihnen kann man nicht helfen. Was Sie alles wollen: im Bett fernsehen, im Garten fernsehen, im Baumhaus fernsehen, auf der Luftmatratze fernsehen ...! Kaufen Sie sich Bücher! Die können Sie im Bett lesen, in der Sonne, im Schatten, auf dem Baum, unter dem Baum, auf der Luftmatratze ... wo immer Sie wollen – meinetwegen auf dem Mond ..."

"Stimmt." Herr Büchermann schmunzelte. "Ich marschiere gleich in die nächste Bücherei und leihe mir etwas aus. Ja ja, jetzt weiß ich, was ich mache! Auf Wiedersehen!"

"Auf Nimmerwiedersehen!", dachte Herr Blitz erschöpft. "Hoffentlich wird der durchs Bücherlesen gescheiter."

Ó by Toni Traschitzker

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