"Flori auf dem Tunnel"

Druck, Zeichnungen und Einband von Toni Traschitzker

73 Seiten, DIN-A5

"Ich brauch' euch nicht ..."

Flori ärgert sich. Die Mutter hat schlechte Laune, mit den Mitschülern auf dem Spielplatz ist auch nichts anzufangen ... ein Glück, dass Flori vor einiger Zeit einen ganz neuen Spielplatz entdeckt hat! Eigentlich ist es kein richtiger Spielplatz.  Aber Flori weiß schon, was er tun muss, damit niemand ihn erwischt ...

Flori Titelbild

Leseprobe

Ausschnitt aus dem 3. Kapitel: "Freie Fahrt!"

(Flori ist, wie schon öfter, auf einen "seiner" Güterwaggons geklettert — ohne zu merken,  dass sie diesmal an eine Lokomotive gekuppelt worden sind! Aus Angst, von einem Eisenbahner entdeckt zu werden, denkt er zu spät ans Abspringen.)

Die Lokomotive stieß einen gellenden Pfiff aus, und schon verschwand sie im Tunnel. Wagen um Wagen folgte ihr mit Gebraus — es schaute geradeso aus, als würde der Berg den ganzen Zug in sich hineinschlürfen. Noch waren die letzten Waggons im Freien, noch sausten an Flori dunkle Fichten vorbei. Doch schlagartig wurde es rundherum stockfinster!

Ein heftiger, kalter Luftzug stieß Flori fast zu Boden, und ein fürchterliches Getöse begann. Flori schrie vor Angst auf, aber er konnte seine eigene Stimme kaum hören, so entsetzlich laut war das Brausen und Toben in dem Tunnel. Weiter vorn, an der Spitze des Zuges, huschte über die Wände ein gespenstisches, gelbliches Licht. Es kam von den Scheinwerfern der Lokomotive. Aber es war so schwach, dass Flori nichts erkennen konnte. Die Tunneleinfahrt schaute bald nur noch wie ein kleiner, weißer Fleck aus, der auf einmal verschwand. Im selben Augenblick mischte sich in den Höllenlärm im Tunnel ein schauerliches Kreischen.

Was bedeutete das? War mit den Rädern des vorderen Waggons tatsächlich etwas nicht in Ordnung? Was dann, wenn die Achsen brachen?

Flori hielt den Atem an und wartete nur noch darauf, dass es einen fürchterlichen Knall geben würde ...

Das unheimliche Kreischen wurde lauter. Flori spürte, wie ein sonderbares Rucken durch seinen Wagen ging — geradeso als würde sich eine Kraft dagegenstemmen. Der kalte Luftzug ließ ein wenig nach, und plötzlich flitzte ein rötliches Licht vorüber — ein Signal! Da wusste Flori, was das Kreischen bedeutete: Der Zug bremste.

Du lieber Himmel, er würde doch nicht im Tun­nel stehen bleiben! Warum sollte er das? Hatte etwa irgendjemand bemerkt, dass auf dem letzten Waggon ein „blinder Passagier“ hockte? Hatte jemand die Streckenleitung verständigt, sodass sie den Zug anhalten ließ? Mitten im Tunnel???

Flori starrte nach vorn zum Licht der Lokomotive. Er konnte nichts erkennen. Ein paarmal spürte er etwas Feuchtes im Gesicht und auf den Händen. Anscheinend tropfte es von der Tunneldecke herunter.

Das Getöse wurde leiser.

Täuschte sich Flori? Nein — der Zug fuhr langsamer. Wie lange war er schon unter dem Berg dahingebraust? Fünf Minuten? Oder nur zwei? Oder nicht einmal eine Minute? Flori wusste es nicht. Vor Angst hatte er das Zeitgefühl verloren.

Dieser Ausflug ist für Flori noch lange nicht vorbei...

 

Bild: Alptraum

Zeichnung aus dem 8. Kapitel: "Gespenster?"

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