Ein Trostgedicht für alle, die sich nicht gern verspotten lassen

(aus dem Buch "Oll-All und der Wunderfreund" von Toni Traschitzker)

 

    „Du hast ja Recht“, gab Oliver zu, als Juggi und Flo­cki mit ihrem Gejaule fertig waren. „Aber ich halt’s einfach nicht mehr aus, wenn Herfried und die anderen Teppen zu spotten anfangen. Am liebsten möcht’ ich sie der Reihe nach durchklopfen ... aber sie sind alle stärker als ich.“

    „Meine Oma sagt immer: ‘Durchhauen ist nicht gut’“, entgegnete Juggi. „Sie sagt auch: ‘Man muss verzeihen können. Ohne Verzeihung gibt’s Rache, und wo Rache ist, gibt’s Krieg.’“

    „Die hat leicht reden, deine Oma!“ Oliver starrte nachdenklich vor sich hin.

    „Ja, ja, manchmal redet sie ernst wie der Pfarrer in der Kirche“, meinte Juggi. „Aber sie kann auch ein Witzbold sein. Einmal hat sie ein Gedicht gegen Spottvögel gemacht. Hör zu:  

 

Wer immer spottet, der ist dumm,

wird vom Spotten bald ganz krumm,

ähnelt einem alten Drachen,

über den die Ochsen lachen,

kriegt ein hässliches Gesicht,

sodass ein jeder Spiegel bricht."

 

    „Das muss ich mir merken!“, platzte Oliver her­aus.

    „Aber sag es niemandem, um ihn zu verspotten“, warnte Juggi. „Sonst bist du selber ein Spötter und wirst ein alter Drache.“

    Oliver lachte und erwiderte: „Deine Oma musst du mir einmal zeigen.“

    „Ja, warum auch nicht?“ Juggi schmunzelte.

 

Weitere Leseprobe aus dem Buch "Oll-All und der Wunderfreund"

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