"Joggl und die Fernsehgeister"
Umschlaggestaltung: Brigitte Jach und Toni Traschitzker
Zeichnungen: Toni Traschitzker
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Gespenstische Abenteuer ... ... erlebt der kleine Joggl! Kaum hat er - heimlich in der Nacht! - den neuen Fernsehapparat eingeschaltet, fallen allerlei Fernsehgeister über ihn her: wild gewordene Musikinstrumente, freche Zeichentrickfiguren, Dschungeltiere und Flügelmenschen - es wird immer ärger! Joggls Hund Schnuffi, das einzige Lebenwesen aus der wirklichen Welt, versucht das Schlimmste zu verhindern. Eine witzige und spannende Geschichte für Fernsehratten - und Lesemuffel! Für Kinder ab 9 Jahren! 98 Seiten, Euro 9,00 (sFr 17,00) ISBN 978-3-939862-07-9 Bestellungen: Im Buchhandel oder beim Frick Verlag
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Leseprobe
(Ausschnitt aus dem Kapitel "Im Dschungungel")
Einer nach dem anderen – so durchstreiften die drei den Urwald: Hanse Schimpanse marschierte an der Spitze, Schnuffi folgte dicht hinter ihm, und Joggl stolperte als Letzter hinterdrein. Er hoffte noch immer, die Fernbedienung irgendwo im Gras zu finden. Ohne sie kamen er und Schnuffi vielleicht nie mehr nach Hause zurück! Dieser Gedanke jagte ihm Angst ein, aber vor etwas anderem fürchtete er sich noch mehr: vor wilden Tieren.
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„Hanse Schimpanse“, wandte sich Joggl an
den Affen. „Gibt’s hier Löwen?“
„Freileilich – Löwöwen, Tigiger,
Schlangangen“, antwortete der Schimpanse. „Bisttu ja im Dschungungel.“
„Au weia“, stöhnte Joggl. „Wenn wir
bloß die Fernbedienung wiederfänden! Dann könnten wir notfalls schnell
verschwinden.“ |
Hanse Schimpanse entgegnete nichts. Auch
Schnuffi schwieg. Wachsam sah er sich nach allen Seiten um. Er kannte sich hier
nicht aus, also hieß es: vorsichtig sein!
Plötzlich – sie waren noch nicht einmal
zehn Minuten unterwegs – plötzlich trat ihnen mit gewaltigem Brüllen ein Löwe
in die Quere! Joggl purzelte über seinen Hund und wagte vor Schreck nicht
einmal zu schreien. Auch Schnuffi schlotterte vor Angst. Hanse Schimpanse aber
herrschte den Löwen in der Affensprache an: „Schluss mit dem Radau!“
„Was? Waaas?“, brauste der Löwe auf –
ebenfalls in der Affensprache. „Willst du mir drohen? Mir, dem König der Tiere?“
Der Schimpanse erwiderte seelenruhig: „Du
nennst dich König und führst dich wie ein Straßenräuber auf. Mach uns den
Weg frei, sonst filme ich dich sofort bei deinem ungehobelten Benehmen! Oder
noch schlimmer: Ich filme dich überhaupt nicht. Dann kommst du König der Tiere
nie wieder ins Fernsehen.“
„Was? Waaaas?“ Der Löwe riss entsetzt
die Augen auf. „Ich, der König der Tiere, soll nie mehr ins Fernsehen
kommen?“
„Nein“, gab der Schimpanse kühl zurück.
„Wer sich so gewalttätig gebärdet wie du, ist ein schlechtes Vorbild und hat
im Fernsehen nichts zu suchen. Verstanden?“
„Ja, aber ...“ Der Löwe glotzte verstört
vor sich hin. Auf einmal verneigte er sich und sagte ungemein höflich: „Also
bitte! Bitte gern! Ich tu’ alles, damit ich ins Fernsehen komme. Nur vorbei,
meine Herrschaften!“
„Warum nicht gleich so?“ Der Schimpanse
griff nach seiner Filmkamera. „Und nun mach gefälligst eine freundliche
Miene! Denk dran, dass ich als Menschenforscher normalerweise keine Tiere
filme!“
Während Hanse Schimpanse die Kamera auf den
Löwen richtete, rappelte sich Joggl verdattert auf. Er hatte kein Wort von dem
verstanden, was der Affe und der Löwe miteinander gesprochen hatten.
„So, mein lieber Herr König!“, sagte
Hanse Schimpanse – noch immer in der Affensprache. „Wenn jetzt meine zwei
Begleiter an dir vorbeispazieren, blickst du ihnen friedlich wie ein Lamm nach.
Verstanden?“
Der Löwe nickte. Hanse Schimpanse deutete
Schnuffi und Joggl mit einem Wink an, dass sie weitergehen sollten. Joggl traute
sich aber erst von der Stelle, als ihm der Schimpanse zugerufen hatte:
„Kommomm, Jogoggl! Kommomm!“
Der Löwe ließ Joggl und Schnuffi tatsächlich
ungeschoren vorüber und grinste sogar freundlich.
„Sehr brav, Herr König!“, lobte ihn Hanse Schimpanse.
„Soll ich den beiden zum Abschied die Pfoten schütteln?“, fragte der
Löwe, nachdem der Affe auf die Stopptaste der Kamera gedrückt hatte.
„Auf keinen Fall!“, lehnte Hanse Schimpanse ab. „Ich will dich im
Film so natürlich wie möglich zeigen.“
„Soll ich also lieber einen von ihnen auffressen?“, schlug der Löwe
begeistert vor.
„Dummkopf“, erwiderte Hanse Schimpanse. „Seit wann besteht deine
natürliche Nahrung aus Menschen und Hunden? Außerdem will ich keinen Film über
deine Essgewohnheiten drehen. Sei endlich zufrieden!“
Der Löwe seufzte und bedankte sich für die Filmaufnahmen. Dann gähnte
er herzhaft, ließ sich ins
Urwaldgras sinken und fragte sich verwundert: „Warum werde ich von dem
bisschen Filmen gleich so hundemüde? Dabei bin ich gar kein Hund ...“
Ein paar Sekunden später schnarchte der König der Tiere. Joggl und
seine beiden Begleiter waren bereits im Dickicht verschwunden. Als sie kurz
darauf einem gierigen Panther und wenige Minuten später zwei verfressenen
Tigern begegneten, konnte Hanse Schimpanse ein Unglück wieder nur dadurch
vermeiden, dass er den Raubkatzen drohte, sie nicht zu filmen. Eine hungrige
Riesenschlange überlistete er ebenso.
„Ich versteh’ das nicht“, sagte er zu Schnuffi. „Warum sind alle
so drauf versessen, ins Fernsehen zu kommen? Das müsste einmal erforscht
werden.“
„Ich
möchte nicht
ins Fernsehen“, entgegnete Schnuffi. „Stell dir vor: Da wirst du von
hunderttausend Leuten angegafft! Und wenn du dich zufällig dringend schnäuzen
musst, sehen das alle und lachen dich womöglich aus. Nein danke, da wär’ ich
zehnmal lieber ein Held in einem lustigen Buch. Aber wer macht sich schon die Mühe
und schreibt über mich
ein Buch?“
„Du kannst ja selber eins schreiben“, schlug der Schimpanse vor.
„He, ihr zwei!“, mischte sich Joggl ein. „Was quasselt ihr dauernd
miteinander? Ich würde euch so gern verstehen.“
„Mussttu eben Affaffensprache lernernen“, erwiderte Hanse Schimpanse.
„Lernen – bäh“, brummte Joggl.
„Faulaulpelz“, meinte Hanse Schimpanse. Auf einmal blieb er stehen und horchte.
Zeichnung aus dem Kapitel "Qualmhelden"