"Liesl Lies und die Leselixen"

Druck, Zeichnungen und Einband von Toni Traschitzker

136 Seiten, DIN-A5

 

"Die Liesl ist blöd!", ...

... schreit Ossi, der große Frechdachs, vor der ganzen Klasse. Liesl kann nämlich nicht gut lesen. Ossi verpasst ihr deshalb sogar einen Spitznamen: Liesl Lies. Alle lachen Liesl aus. Klar, dass die Leselixen eingreifen müssen ...

 

Titelbild: "Liesl Lies und die Leselixen"

Leseprobe

Ausschnitt aus dem  Kapitel: "Ein Mantel und ein Nachthemd"

Ein unheimlicher Traum macht Liesl schwer zu schaffen.

     Der Teppich war glücklicherweise so weich, dass Liesl sich nicht weh tat. Verwirrt rappelte sie sich auf, tappte im Finstern nach dem Schalter der Nachttischlampe und machte Licht.

    Na so was! Die Leselixen hatten sie aus dem Bett gezaubert. So ein blöder Traum!

    Oder doch nicht?

    „Liesl, üb!“, klang es Liesl noch immer in den Ohren. Sie setzte sich aufs Bett und dachte nach. Plötzlich stand sie auf, lief zu ihrer Schultasche und holte sich das Lesebuch.

    Was wollte sie mitten in der Nacht mit dem Lesebuch?

    Na was wohl? – Lesen üben!

    Schon schlug sie das Buch auf und fing zu blättern an. Auf einmal zögerte sie.

    Sollte sie wirklich mitten in der Nacht lesen üben? Ihre Mitschüler lachten sie bestimmt aus, wenn sie das erfuhren!

    Seufzend legte Liesl das Buch aufs Nachtkästchen und knipste die Lampe aus.

    „Liesl, üb!“, krächzte eine leise Stimme.

    Liesl zuckte zusammen und hob den Kopf. Im Halbdunkel stand jemand bei der Schlafzimmertür.

    „Mutti, bist du da?“, fragte Liesl.

    Die Gestalt bei der Tür war eher klein, also konnte sie nicht die Mutter sein. Außerdem hatte die Mutter keine langen, struppigen Haare ...

    Erschrocken hielt Liesl den Atem an. Die Gestalt bei der Tür streckte den Arm aus – einen langen, dünnen Arm – und drückte auf den Lichtschalter. Die Zimmerlampe leuchtete auf – und ihr Licht überschwemmte ein merkwürdiges Wesen: dünn, beinahe dürr, mit schmalem Gesicht, kleinen Augen und spitzem Kinn. Ein paar Strähnen des struppigen Blondhaars schimmerten grünlich, einige bläulich. Die Gestalt steckte in einem schwarzen, glockenförmigen Mantel, der statt Knöpfen einen langen, silbernen Reißverschluss hatte. Schwarze Stiefel ergänzten die Kleidung des nächtlichen Besuchers.

    „W-wer bist denn du?“, stotterte Liesl. Mit einer Stimme, von der man schwer sagen konnte, ob sie eher für ein altes Männlein oder ein altes Weiblein passte, antwortete die Gestalt: „H-Tebasile Redelies.“ Die erste Silbe hörte sich so an, als wollte die fremde Gestalt irgend etwas weghauchen.

    „W-wie war das?“, stammelte Liesl.

    „Hhhh-Tebasile Redelies“, wiederholte die Gestalt deutlicher.

    „Bist du ... eine Leselixe?“, fragte Liesl.

    „H-Tebasile Redelies“, wiederholte die Gestalt und nickte. „Nur keine Angst!“

    „Kannst du zaubern?“, rutschte es Liesl heraus.

    Die Leselixe lachte leise – es hörte sich wie das Meckern einer Ziege an –, danach entgegnete sie: „Ich will dir helfen.“

    „Helfen?“, wiederholte Liesl verblüfft. Sie überlegte kurz, dann sprudelte sie heraus: „Kannst du zaubern, dass ich besser lesen kann?“

Liesl merkt gleich: Ganz so einfach geht das mit dem Lesen nicht - obwohl die Leselixe zaubern kann. Außerdem scheint sie von Liesl mehr zu wollen...

Bild: H-Tebasile Redelies, Leselixe

H-Tebasile Redelies

Zeichnung von Toni Traschitzker

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