Druck, Zeichnungen und Einband von Toni Traschitzker
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"... ein Naturtalent, nur verspielt wie ein junger Hund." So lautet das Urteil des Sektionsleiters Marzek über Lukas Lagger, den neuen Jugendspieler beim SCK. "Kicken" und Spaß haben – mehr will der Neue von Fußball nicht. Oder doch? Ein heiterer Fußballroman – für Fußballfreunde, Fußballgegner... für alle, die der Fußballsport nicht kalt lässt ... 198 Seiten, Euro 14,80 (sFr 26,90) ISBN 978-3-939862-05-5 Bestellungen: Im Buchhandel oder beim Frick Verlag |
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Leseprobe
(Ausschnitt aus dem Kapitel "Hattrick und Hüpftrick")
Für Turnlehrer Zecknagel gilt Lukas Lagger, ein schmächtiges Bürschchen aus dem Bergdorf Redlitz, als verspielter Ballclown, der nicht begreift, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Also wird „Luki“ beim Klassenmatch gegen die 4a nur als Ersatzmann aufgestellt. Luki macht sich nichts draus. Er hat seine eigene „Lederwuchtel“ mitgebracht und kickt damit für sich allein neben dem Spielfeld herum...
Zehn Minuten nach der Pause sorgte der Hattrick-Schütze wieder für Aufregung: Sein Schuss streifte die Querlatte. Danach wollte der Ball anscheinend nicht mehr mitspielen. Er war im Gebüsch hinterm Tor verschwunden und ließ sicht nicht blicken, obwohl die halbe Mannschaft der 3b nach ihm suchte.
Luki kickte mit seiner Lederwuchtel ahnungslos bei den Mülltonnen herum. Erst als ihn Herr Zecknagel zu sich rief, merkte er, dass das Spiel unterbrochen war.
„Lagger, sei so gut und leih uns deinen Ball!“, bat der Turnlehrer ungewohnt freundlich.
„Meinen Ball?“, erwiderte Luki nicht gerade begeistert. Im selben Augenblick kam einer seiner Mitschüler angehumpelt und klagte über eine Prellung am linken Schienbein.
„Also schön“, wandte sich Herr Zecknagel an Luki. „Spiel du für ihn weiter!“
Luki betrat das Fußballfeld und dribbelte mit seiner Lederwuchtel schnurstracks aufs gegnerische Tor zu. Der Schiedsrichter pfiff ihn zurück. „Zuerst Abstoß, mein Herr!“, wies er Luki zurecht.
Den Abstoß wollte Luki selber ausführen, folglich rannte er mit seinem Ball quer übers halbe Spielfeld zurück zum Tor seiner Mannschaft. Mit einem gewaltigen Tritt beförderte er die Lederwuchtel fast bis zum gegnerischen Tor. Danach bekam er sie fünf Minuten lang nicht mehr vor die Füße. Er hätte sie nämlich den Gegnern abjagen müssen, und das erschien ihm zu halsbrecherisch. Vor allem dem langen Kersche, einem ehrgeizigen, verbissenen Kicker, wollte er lieber nicht in die Quere kommen.
„Lagger, steh nicht dauernd hinten herum!“, wetterte Herr Zecknagel.
„Goalmann! Heraus!“, schrie der Turnlehrer der 4a.
Der Goalmann kannte Lukis Hüpftrick nicht und ließ sich überrumpeln: Die Lederwuchtel flog über Lukis Rücken und Kopf und auch über den Kopf des Tormanns hinweg, und bevor sich der Getäuschte umdrehte, huschte Luki an ihm vorbei und schoss den Ball mit dem linken Fuß ins Tor.
„Goal! Goal!“, brüllte Herr Zecknagel. Er hatte gar nicht mitbekommen, dass Luki gerade noch auf dem Zaun gesessen war, sonst hätte er vielleicht etwas anderes gebrüllt. „Sehr brav, Lagger!“
Sehr brav – oho! Luki wandte sich freudig erstaunt um. Da kamen auch schon ein paar Mitschüler angesprungen, um ihn zu beglückwünschen.
„Lagger, bleib vorn! Als Linksaußen!“, rief ihm der Turnlehrer zu.
Luki gehorchte nicht ungern. Lieber rannte er den Gegnern mit dem Ball davon, anstatt sich ihnen als Verteidiger in die Quere stürzen zu müssen.
Die Mannschaft der 4a war gewarnt – den Hüpftrick kannte sie jetzt. Einige Minuten später wusste sie auch, dass man Luki „decken“, also scharf bewachen musste. Nach einem Geplänkel im Strafraum der Viertklassler hüpfte die Lederwuchtel nämlich ihrem Besitzer entgegen, und der rief mit gedämpfter Stimme: „Nummer eins – volley!“ Was das bedeutete, begriff keiner – außer der Lederwuchtel. Die zischte folgsam in die „Nummer eins“, die linke untere Ecke des Tors!
Nach diesem Treffer „deckten“ Luki gleich zwei Verteidiger. Wie Schoßhunde keuchten sie unentwegt neben ihm her. Sie wirkten reichlich erschöpft. Im Unterschied zu ihm spielten sie schon von Anfang an mit. Es war also kein Wunder, dass er ihnen entwischte, nachdem ein Spieler der 3b den Ball kurz vor Schluss hoch nach vorn gedroschen hatte. Die Lederwuchtel sprang vor Luki auf und ließ sich von ihm einen Stoß mit dem Knie geben, sodass sie zum zweiten Mal über den Tormann hinwegflog und sich im Netz verfing. Ein paar Minuten später blieb dem Turnlehrer der 4a nichts anderes übrig, als Herrn Zecknagel und der 3b zum Unentschieden zu gratulieren; und Herrn Zecknagel blieb nichts anderes übrig, als Luki zu loben.
Turnlehrer Zecknagel schafft es nicht, aus Lukas Lagger einen richtigen Fußballer zu machen. Das versucht auch der gefürchtete Helmfried Kerschbacher. „Kersche“ – so nennen ihn alle – tauft Luki auf „Lugge“ um und verschleppt ihn zum Fußballplatz des SV Gronach. Dort soll für die beiden eine tolle Laufbahn als Fußballer beginnen. Kersche will viel Geld verdienen, Lugge bleibt misstrauisch...
Zeichnung aus dem Kapitel "Trainieren, trainieren ..."