"Das Wundermittel"

Druck, Zeichnungen und Einband von Toni Traschitzker

56 Seiten, DIN-A5

"Beine sind das Unglück der Menschen!"

Das glaubt jedenfalls Raddeliumba, ein sonderbares Wesen von einem fremden Stern; und da es ein hilfsbereites Wesen ist, will es den Menschen einen Gefallen tun. Zwei habgierige Erfinder scheinen dabei die rechten Gehilfen zu sein. Schon bald tauchen die ersten Radmenschen auf ...

Titelbild Wundermittel

Leseprobe

Ausschnitt aus dem 6. Kapitel: "... nix Radl ..."

(Radmenschen bevölkern die ganze Welt, "Beinemenschen", die keine Räder haben, werden zu verspotteten Außenseitern — so wie der kleine Rudl.)

 Wenn Rudl einmal allzu traurig war, weil ihn die Radmenschenkinder nicht mochten, tröstete er sich mit dem Gedanken: „Meine Freunde sind der Wald und alle seine Tiere.“

    Am besten gefielen ihm die Eichhörnchen, weil sie so flink über die Baumstämme huschen konnten. Als er einem von ihnen wieder einmal zusah, kam er plötzlich auf den Gedanken, ebenfalls auf einen Baum zu klettern. Er versuchte es gleich — und schaffte es! Mit der Hilfe seiner Beine!

    Ein bisschen schwindlig, aber innerlich stolz wie ein König saß er hoch oben im Geäst, schaute hinunter und dachte: „Das können die anderen nicht!“

    Als er kurz darauf aus dem Wald heraustrat, rollten auf der Straße ein paar Radmenschenkinder daher und fingen zu spotten an.

 

Bild: Rudl beim Klettern

    „Rudl — nix Radl!“, schrie ein besonders feister Schlingel.

    „Wennschon nix Radl — dafür starke Wadl!“, erwiderte Rudl; und — bumms! — versetzte er seinem Gegner einen Fußtritt. Der Dicke kreischte auf und kippte seitwärts ins Gras.

    „Packt ihn!“, brüllte er, nachdem er sich hochgerappelt hatte. Schon rollte die ganze Horde auf Rudl los. Doch der sprang mit einem gewaltigen Satz über einen Holzzaun am Straßenrand und verschwand im Gebüsch. Die anderen blieben verblüfft vorm Zaun stehen und wussten nicht, ob sie fluchen oder staunen sollten.

    Was für ein Sprung! So etwas hatten sie noch nie gesehen. So etwas konnte keiner von ihnen nachmachen!

    „Rudl — nix Radl!“, brüllte der Dicke wütend.

    „Wennschon nix Radl — dafür starke Wadl!“, erschallte es plötzlich von hoch oben.

    Die Radmenschenkinder verrenkten sich fast die Hälse und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Weit oben, wie ein Affe im Urwald, hockte Rudl auf einem Ast und grinste.

    „Komm herunter!“, verlangte der Dicke drohend.

    „Komm herauf!“, entgegnete Rudl.

    „Herunter mit dir!“

    „Herauf mit dir!“

    „Komm endlich herunter!“

    „Komm endlich herauf!“

    So ging’s eine Weile hin und her. Rudl lachte. Er wusste: Klettern konnte von denen mit den Rädern keiner!

    Eine Weile schimpften und fluchten sie unten herum. Als sie einsahen, dass es nichts nützte, rollten sie mit finsteren Mienen davon.

Zum ersten Mal wird Rudl bewusst, dass er etwas kann, was die Radmenschen nicht können; und dazu kommt bald noch mehr...

Bild: Rennradmenschen

Zeichnung aus dem 4. Kapitel: "Schnellere Menschen?"

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