1997 von der Kommission für Kinder- und Jugendliteratur (Wien)
in die Liste empfehlenswerter Bücher aufgenommen!
Einbandgestaltung: Sabine Saage-Pickel
Zeichnungen: Toni Traschitzker
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Ein Kinderbuch auch für Rentner??? Warum nicht? Im Mittelpunkt dieser witzigen Geschichte steht nämlich ein Pensionist, der seit einiger Zeit immer wieder durch die Straße geschlurft kommt und die Kinder beim Völkerballspielen stört! Erst ärgern sie sich darüber, dann verspotten sie ihn. Er redet ja wie ein Verrückter! Auch Hansi spottet tüchtig mit bis er merkt, dass er und der Alte etwas Gemeinsames haben. Als auch Frau Steppmaier, die gefürchtete "Habergeiß", auf den Sonderling aufmerksam wird, kommt es vor ihrem Haus zu Auseinandersetzungen. Sogar die Gendarmerie greift ein und plötzlich ist der Alte spurlos verschwunden ... Für Lesefreunde von 8 bis 88! 87 Seiten, Euro 9,70 (sFr 18,) ISBN 3-920780-65-5 Bestellungen: Im Buchhandel oder beim Frick Verlag |
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Leseprobe
(Ausschnitt aus dem 7. Kapitel: "Reime gesucht!")
"Achtung, Leute! Reimhansl in Sicht!", meldete Karli gegen drei Uhr.
"Der alte Schleicher", murmelte Felix düster.
Hansi bekam auf einmal Herzklopfen. Er war in letzter Zeit nie mehr dabei gewesen, wenn sie den Alten verspottet hatten. Und genau das würden sie jetzt wohl wieder tun ...
Als sich der Mann bis auf zehn Meter genähert hatte, unterbrachen die Kinder das Spiel und wichen schweigend auf den Straßenrand aus. Der Alte blickte scheu vom einen zum anderen und schien zu ahnen, dass die plötzliche Stille nur die Ruhe vor dem Sturm war, der gleich über ihn hereinbrechen würde.
Hansi schaute verlegen vor sich hin. Auch er ahnte, was jetzt kommen würde, und es war ihm furchtbar peinlich zumute. Zugegeben früher hatte er genauso dumm wie die anderen gespottet und herumgebrüllt; doch inzwischen ...
"Schönen guten Tag, Herr von Reimhansl!", ging es los natürlich wieder mit Felix! Hansi hätte ihm am liebsten mit dem Taschentuch den Mund zugestopft.
"Schönes Wetter heute, wie?", setzte Friedl die Hänselei fort, und seine Schwester Elke fügte übermütig hinzu: "Gestern wars Wetter noch schöner, oder?"
Diese blöde Gans! Die hatte ja gar keine Ahnung ...
Hansi ballte wütend die Fäuste.
Der Reimhansl starrte geradeaus und schlurfte weiter.
Warum erwiderte er nichts? Warum ließ er sich alles gefallen?
"Reimhänschen! Sag ein lustiges Sprüchelchen!", quiekte die kleine Lina und hopste wie ein Gummiball vor dem Alten herum. Der blieb endlich stehen. Er zeigte mit dem Stock auf sie und brummte:
"Du frecher Spatz,
dich holt die Katz!"
Da kreischte die Kleine vor Vergnügen auf, und die anderen gaben ein Gelächter von sich, das dem Gewieher von Pferden ähnelte. Hansi stand stocksteif da.
"Hört auf, ihr Teppen!", brüllte er auf einmal. Aber die anderen hörten es gar nicht, denn sie schrien allerlei Unfug durcheinander. Der Reimhansl marschierte tapfer weiter. Anscheinend hatte er Hansi in dem Kindergewirr nicht entdeckt.
"Hört auf!", rief Hansi wieder, doch die anderen achteten nicht darauf. Erst als sich der Alte ein Stück entfernt hatte, wurde ihnen bewusst, dass es da jemanden gab, der nicht zu ihnen hielt; und dieser Jemand sagte jetzt zu seiner eigenen Verblüffung gereimt:
"Ihr seid hundsgemein!
Müsst ihr denn so schrein?"
Da gabs zuerst verdutzte Gesichter. Auf einmal platzte Gundi heraus: "Jö! Hier haben wir noch so einen Reimhansl!"
"Reimhansi!", verbesserte ihr Bruder Felix. Er fing wie ein Verrückter zu lachen an, sodass er damit alle ansteckte außer Hansi. Der stand mit bitterböser Miene da und wusste keinen einzigen Reim mehr. Gundi verneigte sich spöttisch vor ihm und rief:
"Und dir fällt überhaupt nichts ein!", gab sie schadenfroh zurück.
"Reimhansi! Reim uns was vor!", kreischte Lina, und sie fing genauso vor Hansi herumzuhüpfen an, wie sie es vorhin beim Reimhansl getan hatte. Hansi biss sich grimmig auf die Lippen und zermarterte sich das Gehirn.
Einen Reim! Jetzt nur einen Reim! Ein Königreich für einen Reim ...
Vergeblich Hansis Gedächtnis streikte hartnäckig.
"Ihr seid alle Teppen! Spielt allein weiter!", schrie er plötzlich. Dann riss er das Gartentor auf, rannte ins Haus und ließ sich für den Rest des Tages nicht mehr draußen blicken.
Eine Weile schafft Hansi es, seine Freundschaft mit dem Reimhansl zu verheimlichen – bis sie allesamt Zeugen eines Unfalls werden...
Zeichnung aus dem 10. Kapitel: "Fahrerflucht!"
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