"Störfi, der Autojäger"

Druck, Zeichnungen und Einband von Toni Traschitzker

117 Seiten, DIN-A5

Leseprobe 2

(Ausschnitt aus dem 5. Kapitel: "Unter Bunten")

Eine Woche später trafen die Bunten einander zur nächsten Sitzung.

Und Störfi?

Der kam auch wieder, wie er es angekündigt hatte. Als er kurz vor Beginn der Sitzung langsam durch die Stuhlreihen im Klubsaal ging, hörte er allerlei Neuigkeiten.

„Irgend so ein Mistkerl hat mich angezeigt, weil ich bei der letzten Versammlung den Wagen auf dem Gehsteig geparkt habe.“

„Was? Dich hat’s auch erwischt? Mich auch! Der Huber hat auch eine Anzeige gekriegt. Und der Maier auch. Und bei jedem war ein Zettel hinter den Schweibenwischer geklemmt, und auf dem ist draufgestanden: ‘Sie verstoßen nicht nur gegen die Straßenverkehrsordnung – Sie verpesten mit Ihrem Automobil die Luft!’“

Störfi schmunzelte und ging langsam weiter.

„Hast du schon das Plakat vor der Sporthalle gesehen?“, hörte er einen anderen sagen. „‘Echte Sportler sind auch ohne Auto mobil!’ Was hältst du von diesem Spruch?“

„Er passt genau zu dem, den ich vor kurzem neben einer Tankstelle gelesen habe: ‘Tanken Sie gratis – gehen Sie zu Fuß!’ Als ich den Tankwart auf das Plakat aufmerksam gemacht habe, ist er gleich wütend hingerannt und hat’s zerfetzt.“

Störfi schmunzelte und ging weiter.

„... und da lese ich auf einmal: ‘Lehren wir die Jugend, wieder zu Fuß zu gehen!’“, drang eine andere Stimme an Störfis Ohren. „Mir war’s Wurscht, aber ein paar von den Kollegen haben sich furchtbar aufgeregt. Der Schulwart hat die Plakate beseitigt. Am nächsten Tag sind wieder welche beim Haupteingang gewesen – mit dem gleichen Text. Diesmal haben es aber Schüler getan.“

Störfi schmunzelte.

„... und wie ich gerade die Tür meines Wagens abschließe, zeigt mein Jüngster auf ein Plakat, das neben dem Kirchentor hängt“, erzählte ein anderer. „Und drauf steht mit einem breiten Stift geschrieben: ‘Früher ist man noch zur Kirche gegangen!’“

Störfi schmunzelte. Er grüßte die Leute in der letzten Reihe, hängte seinen Mantel über die Lehne eines freien Stuhls und setzte sich.

„Na, haben Sie sich schon entschlossen, unserer Partei beizutreten?“, fragte der Sitznachbar. Störfi entgegnete, er wolle noch ein bisschen abwarten.

„Sagen Sie“, erwiderte sein Nebenmann, „haben Sie auch schon davon gehört: Irgendein Witzbold hat auf fast jedes Parkschild in der Stadt einen Zettel geklebt, auf dem geschrieben steht: ‘Parken Sie Ihren Luftverpester gefälligst zu Hause!’?“

Störfi entgegnete grinsend, „gehört“ habe er davon noch nichts.

„Aber aufgefallen muss es Ihnen sein – beim Parken“, erwiderte Störfis Gesprächspartner. „Oder haben Sie etwa kein Auto?“

„Wozu brauch’ ich ein Auto, wenn ich gesunde Beine hab’?“, versetzte Störfi. Sein Gegenüber schaute ihn verblüfft an und meinte: „Aber der heimliche Zettelkleber muss selber ein Autobesitzer sein. Das Ganze ist nämlich in einer Art Nacht- und Nebelaktion passiert, und ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand es fertig bringt, in einer einzigen Nacht zu Fuß fast alle Parkplätze in der Stadt zu erreichen.“

„Ja, ja, das dürfte nicht so einfach sein.“ Störfi lächelte verschmitzt und wandte sich dem Rednerpult zu. Der Obmann der Naturpartei machte sich dort gerade bereit, die Sitzung zu eröffnen.

Störfis zweite Sitzung bei den Bunten begann friedlich. Doch beim Punkt „Allfälliges“ wurde es wieder hitzig. Da stand nämlich ein Mann in der vordersten Sitzreihe auf und wollte wissen, wie das gemeint war, als Störfi beim letzten Mal gesagt hatte, man müsse den Leuten den Gebrauch des Automobils „vermiesen“.

Störfi stand ebenfalls auf. Er wies darauf hin, dass die Autobesitzer insgesamt schon viel Schaden angerichtet hätten; man denke beispielsweise daran, dass ihretwegen so manches Stück Natur durch Autobahnen und Schnellstraßen für immer „verhunzt“ worden sei; in den Siedlungsgebieten werde man vom Lärm und Gestank der Fahrzeuge „höllenmäßig“ gepeinigt, und dazu komme obendrein, dass sich etliche Leute, sobald sie ein Gaspedal unter den Füßen spürten, über gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzten, als gälte noch wie in den finstersten Zeiten der Menschheitsgeschichte das Faustrecht. Solchen „Teufeln“, die sich hinter einem Lenkrad für Götter hielten, müsse man die Hörner abschleifen.

„Dazu fühlen Sie sich offenbar berufen, oder wie?“, erwiderte der Mann aus der vordersten Reihe verächtlich.

„Irgendwer muss damit beginnen“, entgegnete Störfi.

„Und was beabsichtigen Sie zu unternehmen?“

„Ich fange bei Kleinigkeiten an. Ist es zum Beispiel anständig, dass jemand mit seinem Wagen auf einem Gehsteig einen Platz versperrt, auf dem mindestens zehn Personen stehen könnten?“

„Kennen Sie Autobesitzer, die so etwas tun?“ Störfis Widersacher kniff misstrauisch die Augen zusammen, als ahnte er etwas.

„In der Siedlung, wo ich wohne, gibt’s massenhaft solche Parksünder“, antwortete Störfi bereitwillig.

„Und was unternehmen Sie dagegen?“

„Ich habe vor kurzem alle miteinander angezeigt.“

„Und wenn sie’s trotzdem wieder tun?“

„Ich zeige sie wieder an.“

„Würden Sie ...“ Der Mann in der vordersten Reihe zögerte und sah Störfi mit einem scharfen Blick an. „... würden Sie das überall machen? Würden Sie auch jemanden anzeigen, der beispielsweise hier vor unserem Klubhaus falsch parkt?“

„Schon passiert!“, antwortete Störfi. Keine zwei Minuten später saß er nicht mehr im Klubsaal der Bunten; sie hatten ihn davongejagt ...

Bild: Leibwächter

Zeichnung aus dem 8. Kapitel ("Wolzig")

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