Druck, Zeichnungen und Einband von Toni Traschitzker
159 Seiten, DIN-A5
| "Die
schwarze Kratzbürste ..."
... nennt Willi Hofmüller seine Mitschülerin Kathi Lechner. Kathi wehrt sich und wird zur berüchtigten "Prügeltante". Trotzdem muss sie sich bald einen neuen Spitznamen gefallen lassen: "Traumkathl". Seit einiger Zeit träumt sie nämlich immer wieder von etwas Geheimnisvollem, das sie niemandem näher beschreiben kann, nicht einmal dem verständnisvollen Religionslehrer. Ihre Versuche, den Traum mit Flöte und Zeichenstift zu enträtseln, haben verhängnisvolle Folgen. Obendrein handelt sich Kathi mit einem neuen Mitschüler Verdruss ein ... |
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Leseprobe
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(Ausschnitt aus dem 11. Kapitel: "Flatterohren") |
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Kathi hatte keinen Hunger. Sie stand auf und schaute zu dem neuen Schüler. Der packte gerade ein Wurstbrot aus. Als er merkte, dass Kathi ihn beobachtete, fragte er sie: "Magst du ein Stück?" Kathi schüttelte lustlos den Kopf. "Ich heiße Kasimir", sagte der Neue. "Weiß ich, ich habs mir gemerkt", brummte Kathi. "Und du bist die Kathl", erwiderte Kasimir. Kathi guckte ihn verdutzt an. Was hatte der gesagt? Kathl? Es fehlte nur noch, dass er "Traumkathl" sagte! Das sollte er bloß nicht wagen schon gar nicht jetzt, wo ein paar von den Mitschülern herbeikamen! "Für dich heiß ich Katharina", klärte Kathi den Neuen unfreundlich auf. "Ah, Katharina", wiederholte er. "Das bedeutet die Reine." "Was?" Kathi machte ein verwirrtes Gesicht. "Die Reine, haha! Wenn das stimmt, bin ich der Osterhase", mischte sich Willi ein. Er zeigte auf Kathis Finger und rief Kasimir zu: "Schau dir ihre schmutzigen Pfoten an!" Kathi ballte ihre Hände zornig zu Fäusten. Trotzdem waren auf ihren Fingern noch immer verräterische blaue Tintenflecke zu sehen. Kasimir achtete nicht darauf und wandte sich an Willi: "Es stimmt wirklich: Katharina bedeutet so viel wie die Reine." "Red nicht so einen Schmarren!", fauchte Kathi den Neuen an. "Du hast hier überhaupt nichts zu reden, du ... du mit deinen Flatterohren!" Die Umstehenden lachten hell auf. Kasimir stutzte einen Augenblick, dann schmunzelte er. Dabei sah er Kathi ins Gesicht. "Ja lacht der Kerl mich aus?!", dachte sie entrüstet. Manni merkte, dass sie sich ärgerte, und er sagte zu Kasimir: Nimm dich in Acht! Sonst kriegst dus mit unserer Prügeltante zu tun." "Prügeltante?" Der Neue schmunzelte abermals vom einen abstehenden Ohr bis zum anderen. "Was grinst der mich dauernd so blöd an?", dachte Kathi wütend. Zu ihrem Verdruss grinsten sie jetzt auch Frieda und Klara an. Wollten sie etwa, dass Kathi wieder einmal ... "Prügeltante das klingt lustig", meinte der Neue. "Da muss ich gleich an ein wildes, grantiges Weiblein denken, wisst ihr, so eine verhutzelte alte Jungfer aus einem Märchen ..." Weiter kam er nicht. Kathi fiel über ihn her und stieß ihn vom Stuhl. Das Wurstbrot flog im hohen Bogen davon, und wenige Augenblicke später erlebte Kasimir, wie das ist, wenn man einer echten Prügeltante zwischen die Finger gerät. Die Umstehenden johlten vor Vergnügen, und Frieda rief übermütig: "Bravo, Kathi!" Niemand dachte daran, dem Neuen zu helfen. Er war ja ein Bub, er sollte sich selber wehren! Der Bedauernswerte lag rücklings auf dem Boden, kreischte verzweifelt und schaffte es kaum, das Gesicht vor Kathis wilden Ohrfeigen zu schützen. Zu seinem Glück kehrte die Lehrerin früher als erwartet ins Klassenzimmer zurück. "Auseinander! Aufhören!", brüllte sie und trennte die beiden Kampfhähne, indem sie Kathi an den Armen packte und hochriss. "Der war gemein zu mir!", verteidigte sich Kathi mit Wuttränen in den Augen. "In der Schule wird nicht gerauft! Wie oft soll ich dir das noch predigen?", herrschte Frau Heberecht die "Prügeltante" an. "Das ist ja ein schöner Empfang für einen neuen Mitschüler!" "Der Kasimir ist schuld! Der hat so blöd herumgeredet!", setzte sich Frieda für ihre Freundin ein, und Klara stimmte ihr aufgeregt bei. Alle sind gegen Kasimir! Es dauert nicht lange, bis alle gegen Kathi sind — außer Kasimir... |
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Zeichnung aus dem 25. Kapitel "Die Mutprobe" |
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